W.B.Y.

Irland ist das Land von William Butler Yeats, wie ich die letzten 9 Tage während meines Urlaubs dort erfahren durfte. Seine Gedichte finden sich in jedem Buch zu Popular Irish Poetry und er wird ständig zitiert. Hat er sich irgendwo länger aufgehalten, wird das besonders hervorgehoben.

Bei unserem Besuch in Mucros House, einem alten irischen Herrenhaus, durften wir sogar einen Schauspieler erleben, der W.B. Yeats verkörpert und so für die Besucher lebendig werden lässt. Schwermütig und sinnierend starrte er auf den See des schönen Grundstücks, während er einen Brief rezitierte, den der echte Yeats vor vielen Jahren wirklich dort an seine Frau geschrieben hat.

Illusion gelungen.

Happy Birthday, Will!

Ich muss mich schämen, dass ich das gestern vergessen habe: gestern war der (wahrscheinliche) Geburtstag William Shakespeares. Genau kennen wir seinen Geburtstag ja nicht, sondern nur seinen Tauftag am 26.04.1564. Allerdings war es damals in England Usus, neugeborene Kinder 2 bis 3 Tage nach der Geburt schon taufen zu lassen, weshalb der 23.04. als Geburtstag Shakespeares ziemlich wahrscheinlich ist. Selbiger Tag war 1616 dann übrigens auch sein Todestag, aber wer wird schon gern daran erinnert? Geburtstag feiern macht doch viel mehr Spaß!
In diesem Sinne:

Happy Birthday, Will!

Literarische Musik

Wer aufmerksam Musik hört und auf die Texte der Lieder achtet, kann einiges sehr schönes entdecken.

Es gibt viele Lieder mit sprachlich ausgefeilten, poetischen, oder auch sehr lustigen Texten, die geradezu raffinierte Wortspiele bieten.
Lieder, die mit Metaphern und sprachlichen Bildern arbeiten. Lieder, in denen sich ungewöhnliche und interessante Wörter finden.

Vor einigen hundert Jahren war es gang und gäbe, dass Lyrik vertont wurde, auch wenn sich das heutzutage leider ziemlich verloren hat.

Nicht nur in Büchern steckt Literatur.

Über das Schreiben von Kurztexten IV

Gedichte – typische Kurztexte – können richtig gemeine Biester sein. Sie sind oft unheimlich schwer zu schreiben, sogar dann, wenn sie sich nicht reimen sollen. Jedes Wort muss passen, muss an der richtigen Stelle sitzen, damit es gut klingt, damit der Rhythmus passt, damit Atmosphäre entsteht.
Dieses Problem hat man in einem deutlich geringeren Ausmaß, wenn man längere Texte schreibt. Hat man mehr Wörter zur Verfügung, ist es auch nicht so schlimm, wenn eines davon nicht perfekt in den Text passt.

Trotz allem schreibe und lese ich gerne Gedichte. Sie fangen Situationen ein, kurze Begebenheiten, Gefühle, in einem Maße, wie man es nicht oft in längeren Texten findet. Gedichte können wunderbar ohne Handlung auskommen. Dafür vermitteln sie oft einzigartige Stimmungen.

Gewagt, gewagt …

Gestern habe ich es gewagt und ein Gedicht beim Jokers Lyrikpreis eingereicht. Jetzt heißt es nur noch warten, bis das Ende der Einsendefrist erreicht ist und die Jury die Beiträge gesichtet hat.

Das Gedicht ist vor einigen Tagen spontan entstanden und wurde von mir auch nur wenig überarbeitet; es gefiel mir auf Anhieb (fast) so, wie es war.

Es trägt übrigens den Titel „Fliegen?“.

Über das Schreiben von Kurztexten III – haikus

Wenn ich schon öfter darüber schreibe, sollte ich vielleicht einmal klarstellen, was ein haiku eigentlich ist. Ein haiku ist eine japanische Form der Lyrik, ein Kürzestgedicht, könnte man auch sagen.

Ein haiku besteht aus drei Zeilen, die sich aus exakt 17 Silben zusammen setzen. Die erste Zeile umfasst fünf Silben, die zweite sieben und die letzte wieder fünf. In seiner Kürze erzählt ein haiku eine abgeschlossene Geschichte oder Begebenheit. Dies funktioniert nur, wenn der Autor jedes Wort präzise, wohlüberlegt und mit Bedacht wählt.

Oft beschreiben haikus ein Naturschauspiel. Eine Eigenart der Textgattung – auch durch die Kürze bedingt – besteht darin, dass nicht alles explizit geäußert wird, was das Gedicht ausdrücken will. Erst im Erleben des Lesers entsteht der vollständige Zusammenhang, die komplette Geschichte.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das japanische haiku auch in Europa verbreitet.

Über das Schreiben von Kurztexten II

Ein wunderbares Beispiel für einen Kurztext ist ein bekanntes Gedicht von Ezra Pound:

– In a Station of the Metro

The apparition of these faces in the crowd;
Petals on a wet, black bough. –

Dieser wirklich sehr kurze, im japanischen haiku-Stil geschriebene Text hat schon viele Diskussionen und Kontroversen ausgelöst. Gestritten wurde unter anderem über die Bedeutung des Semikolon am Ende der zweiten Zeile, oder über das Verhältnis der einzelnen Strophen zueinander.

Fakt ist jedoch, dass der Autor es geschafft hat, in 3 Zeilen die wimmelnden Menschenmassen  sowie die ewig vorbeihuschenden Gesichter anderer Personen in der Pariser U-Bahn zu beschreiben. Möglich ist dies nur durch eine absolut präzise Sprache, bei der jedes Wort mit Bedacht ausgewählt wurde.Vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht im Idealfall ein Bild, das ihm genau jene Situation zeigt – lebendig und authentisch.

Wahrscheinlich wäre es einfacher, dieselbe Situation in einem mindestens einseitigen Text zu beschreiben, als nur anhand von 3 Zeilen. Aber auch nicht so kunstvoll.

 

 

Über das Schreiben von Kurztexten I

Wenn man sich über das Schreiben von Kurztexten auslassen möchte, so wie ich das hier vorhabe, muss man erst einmal definieren, was ein Kurztext eigentlich genau ist. Spontan fallen mir Aphorismen, Witze, haikus und Gedichte ein, wobei die Sache bei Gedichten schon wieder schwierig wird. Es gibt sehr kurze Gedichte, nur wenige Zeilen lang, aber auch sehr lange Gedichte, die Seiten füllen. Ist letzteres dann noch ein Kurztext? Oder sind Balladen wie Goethes „Glocke“ noch Kurztexte?
Im Allgemeinen zählt man die sogenannten Kalendergeschichten zu den Kurztexten, sowie Anekdoten oder die handelsübliche Kurzgeschichte.

All diesen literarischen Formen ist (was sich aus ihrer Kürze bedingt) gemein, dass man sie schnell lesen kann, im Gegensatz zu einem Roman, für den man doch etwas mehr Zeit aufwenden muss.

Ich möchte mich nun die nächsten Tage ein wenig diesen Kurzformen, die oft etwas vernachlässigt werden, widmen. Viele sind zu interessant, um sie einfach zu ignorieren.