Über das Schreiben von Kurztexten III – haikus

Wenn ich schon öfter darüber schreibe, sollte ich vielleicht einmal klarstellen, was ein haiku eigentlich ist. Ein haiku ist eine japanische Form der Lyrik, ein Kürzestgedicht, könnte man auch sagen.

Ein haiku besteht aus drei Zeilen, die sich aus exakt 17 Silben zusammen setzen. Die erste Zeile umfasst fünf Silben, die zweite sieben und die letzte wieder fünf. In seiner Kürze erzählt ein haiku eine abgeschlossene Geschichte oder Begebenheit. Dies funktioniert nur, wenn der Autor jedes Wort präzise, wohlüberlegt und mit Bedacht wählt.

Oft beschreiben haikus ein Naturschauspiel. Eine Eigenart der Textgattung – auch durch die Kürze bedingt – besteht darin, dass nicht alles explizit geäußert wird, was das Gedicht ausdrücken will. Erst im Erleben des Lesers entsteht der vollständige Zusammenhang, die komplette Geschichte.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das japanische haiku auch in Europa verbreitet.

Über das Schreiben von Kurztexten II

Ein wunderbares Beispiel für einen Kurztext ist ein bekanntes Gedicht von Ezra Pound:

– In a Station of the Metro

The apparition of these faces in the crowd;
Petals on a wet, black bough. –

Dieser wirklich sehr kurze, im japanischen haiku-Stil geschriebene Text hat schon viele Diskussionen und Kontroversen ausgelöst. Gestritten wurde unter anderem über die Bedeutung des Semikolon am Ende der zweiten Zeile, oder über das Verhältnis der einzelnen Strophen zueinander.

Fakt ist jedoch, dass der Autor es geschafft hat, in 3 Zeilen die wimmelnden Menschenmassen  sowie die ewig vorbeihuschenden Gesichter anderer Personen in der Pariser U-Bahn zu beschreiben. Möglich ist dies nur durch eine absolut präzise Sprache, bei der jedes Wort mit Bedacht ausgewählt wurde.Vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht im Idealfall ein Bild, das ihm genau jene Situation zeigt – lebendig und authentisch.

Wahrscheinlich wäre es einfacher, dieselbe Situation in einem mindestens einseitigen Text zu beschreiben, als nur anhand von 3 Zeilen. Aber auch nicht so kunstvoll.

 

 

Über das Schreiben von Kurztexten I

Wenn man sich über das Schreiben von Kurztexten auslassen möchte, so wie ich das hier vorhabe, muss man erst einmal definieren, was ein Kurztext eigentlich genau ist. Spontan fallen mir Aphorismen, Witze, haikus und Gedichte ein, wobei die Sache bei Gedichten schon wieder schwierig wird. Es gibt sehr kurze Gedichte, nur wenige Zeilen lang, aber auch sehr lange Gedichte, die Seiten füllen. Ist letzteres dann noch ein Kurztext? Oder sind Balladen wie Goethes „Glocke“ noch Kurztexte?
Im Allgemeinen zählt man die sogenannten Kalendergeschichten zu den Kurztexten, sowie Anekdoten oder die handelsübliche Kurzgeschichte.

All diesen literarischen Formen ist (was sich aus ihrer Kürze bedingt) gemein, dass man sie schnell lesen kann, im Gegensatz zu einem Roman, für den man doch etwas mehr Zeit aufwenden muss.

Ich möchte mich nun die nächsten Tage ein wenig diesen Kurzformen, die oft etwas vernachlässigt werden, widmen. Viele sind zu interessant, um sie einfach zu ignorieren.

Jokers Lyrik-Preis 2012

Heute morgen flatterte mir ein frisches Newsletterchen in die Mail-Box: vom 01.03. bis 31.03. findet wieder der alljährliche Jokers Lyrik-Preis statt. Es ist der zehnte seiner Art, weshalb der Verlag dieses Jahr mit besonders netten Preisen für die Gewinner aufwartet.

Genauere Informationen finden sich auf der Homepage.

Das Gedicht, das ich vorletztes Jahr eingesandt hatte, war zwar nicht bei den Gewinnern dabei, wurde aber immerhin in die Jokers Datenbank aufgenommen: Wiedererwachen.

Viel Spaß beim Lesen und / oder Daran-Teilnehmen. 🙂